Netto-Null-Emissionen: Wieso, weshalb, warum?

08.12.2021
Eines ist klar, das globale Klima erwärmt sich zu schnell und es besteht ein dringender Handlungsbedarf. Bereits 2015 haben sich 195 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu Massnahmen bekannt, um den weltweiten Temperaturanstieg zu limitieren und unterzeichneten auf der internationalen COP21 Klimakonferenz in Paris einen neuen Klimavertrag. Dieses rechtlich bindende Abkommen enthält drei zentrale Elemente und empfiehlt im Rahmen der Agenda für eine nachhaltige Entwicklung Treibhausgase weltweit bis 2050 auf 0 zu reduzieren.

1. Cooldown

Das Pariser Klimaabkommen integriert neuere wissenschaftliche Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Folgen einer fortwährenden Klimaerwärmung. Es ist der erste universelle und rechtlich bindende Klimavertrag und leitet Entscheidungsträger an, wie der Übergang von der kritischen Gegenwart in eine klimafreundliche Zukunft gelingen soll. Gemäss dem Abkommen, muss primär der Ausstoss von Treibhausgasen reduziert werden, damit der globale Temperaturanstieg in den kommenden Jahren auf maximal 1.5°C begrenzt wird. Damit geht die Forderung an Staaten und die Industrie einher, die Anpassungsfähigkeit an veränderte Klimabedingungen finanziell zu gewährleisten.

2. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die unterzeichnenden Staaten und Parteien (die EU ist als Staatenbund auch Mitglied) verpflichten sich gegenseitig alle fünf Jahre ihre Reduktionsziele vorzulegen und den anderen Parteien darin enthaltene Einzelheiten zu erklären. Verschärft wird diese sogenannte «Nationally Determined Contribution» durch die Anforderung, alte Ziele durch höher ambitionierte zu ersetzten.

3. So erfolgreich wie das schwächste Glied

Die Agenda für eine nachhaltige Entwicklung will «niemanden zurücklassen». Deshalb würdigt das Pariser Abkommen die Finanzhilfe für Entwicklungsländer als besonders wichtig. Ursprünglich wurde vereinbart, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für ärmere Länder bereitzustellen, um sie in der Eindämmung der Folgen des Klimawandels und in ihrer Anpassungsfähigkeit zu stärken. Darüber hinaus sollen Entwicklungsländer auch technisch unterstützt werden.

Es bleibt viel zu tun! Erfreulicherweise ist ein neues Bewusstsein, einhergehend mit einem gemeinschaftlichen Willen der Klimakrise Herr zu werden, festzustellen. Aber wie soll dies gelingen?

Netto-Null-Emissionen

Um die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, haben im Jahr 2019 fast alle unterzeichnenden Parteien eine Netto-Null-Emissionen Strategie vereinbart. Beginnen wir hinten:

Null-Emissionen

Wir erinnern uns, das globale Klima darf sich bis auf maximal 1.5°C gegenüber 1990 erwärmen. Dank wissenschaftlichen Kalkulationen wissen wir heute, dass dieses Ziel nur dann zu erreichen ist, wenn der Ausstoss von Treibhausgasen (vor allem CO2) weltweit bis 2030 um 45% gesenkt und bis 2050 auf 0 reduziert wird. Verrückte Erkenntnis, aber so ist es. Es gilt sich nun von nicht erneuerbaren Energiequellen wie Kohle, Öl oder Gas zu verabschieden und auf erneuerbare Ressourcen wie Solar, Wind oder Wasserkraft umzustellen. Praktisch bedeutet dies weniger und umweltfreundlicher zu heizen, Gebäude besser zu isolieren, elektrisch betriebene Mobilität anstelle von Verbrennungsmotoren zu fördern und insbesondere Industriebetriebe mit moderner Technologie auszustatten. Anzumerken bleibt, dass es nicht «den Klimabösewicht» oder «die Klimahexe» gibt. Der Klimawandel ist wie manch andere Realität komplex. Viele Sektoren emittieren Treibhausgase und es besteht weiterhin der Bedarf an einer Vielzahl von Lösungen, auf dem Weg zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft.

Wie kommt das Netto hinzu?

Einfach gesagt bedeutet der Netto-Null-Emissionen Ansatz, dass die Menge an CO2, welche in die Erdatmosphäre emittiert, gleichgross sein muss, wie diejenige, welche aus ihr absorbiert wird.

Treibhausgas in Atmosphäre + Treibhausgas absorbiert aus Atmosphäre = 0 Emission (positiv) + Absorption (negativ) = 0

In den letzten Jahren wurden eindrückliche Technologien entwickelt, welchen es gewissen Industrien heute ermöglichen keine schädlichen Gase zu emittieren. Dies gilt nicht für alle Bereiche – für bestimmte Sektoren stehen adäquate Technologien noch nicht zur Verfügung. Dazu zählen u.a. die Landwirtschaft, der Luftverkehr oder die Stahlproduktion. Letzteren wird es bis 2050 nicht gelingen, vollumfänglich auf erneuerbare Energien umzustellen, d.h. klimaneutral zu operieren. Der Netto-Null-Emissionen Ansatz würdigt diese Tatsache und fordert zusätzliche Bemühungen, um Emissionen der hinterherhinkenden Industrien aus der Atmosphäre zu absorbieren und so zu kompensieren. Das Pflanzen von Bäumen die Treibhausgase absorbieren (Photosynthese) und die Entwicklung von speicherungsfähigen Technologien sind in dieser Hinsicht elementar. Anders gesagt, werden CO2 absorbierende Mechanismen «künstlich» aktiviert, um die verbleibenden Treibhausgase zu neutralisieren und zu gewährleisten, dass die Gleichung schliesslich doch 0 ergibt.

Wer, wie, was?

Ein politischer Wille, der in angemessenen Gesetzen Ausdruck findet, ist ein wegweisender Erfolgsfaktor für die Energiewende. Diese Regelwerke und Grundsätze müssen die umweltschonende Industrie begünstigen, wobei sich Anreize zur Umstellung für die Privatindustrie nicht nachteilig auswirken dürfen. Der öffentliche Sektor (Staat) ist angehalten, am selben Strang mit dem privaten Sektor (Industrie) zu ziehen und umgekehrt. Zwischenzeitlich ist auch die Bedeutung von Forschung und Entwicklung unbestritten. Um der Forderung nach neuen Technologien auch in Zukunft nachzukommen, müssen Synergien partnerschaftlich genutzt werden und ausreichend Gelder zur Verfügung stehen. Selbstverständlich kommt auch unseren individuellen Beiträgen Relevanz zu, denn jede Handlung für ein besseres Klima ist besser als keine. In den Worten des Dalai-Lamas ausgedrückt: «Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn ein Moskito im Zimmer ist.»

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