Mentale Gesundheit - ein Plädoyer für mehr Akzeptanz

17.05.2022
Die Wichtigkeit der Psyche für die körperliche Gesundheit war schon den alten Römern bekannt: «Mens sana in corpore sano» oder «ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper» ist das Motto für ganzheitliches Wohlbefinden. Heute gehören psychische Leiden weltweit zu den grössten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. In Europa ist fast jede vierte Person zeitlebens von psychischen Beschwerden betroffen. Sie sind sogar die dritthäufigsten Gesundheitsbeeinträchtigungen nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Zur Förderung der psychischen Gesundheit und des mentalen Wohlbefindens sind umfassende Massnahmen erforderlich, nicht zuletzt das Ausräumen von Tabus und Vorurteilen, welche mit psychischen Erkrankungen einhergehen.

Related SDGs

Prekäre Unterversorgung von Menschen mit psychischen Leiden

Das Ziel 3 der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) konkretisiert die Absicht, ein Leben in guter Gesundheit zu gewährleisten und das Wohlergehen aller Menschen in jedem Alter zu fördern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert psychische Gesundheit als den Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann.

Demgegenüber sind psychische Einschränkungen durch eine Kombination von belastenden Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen und Beziehungen zu anderen gekennzeichnet. Beispiele für psychische Störungen sind Depressionen, Drogensucht, Angststörungen, bipolare Störungen oder Psychosen, wobei Mädchen und Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Lediglich ein Prozent aller Ausgaben im öffentlichen Gesundheitswesen werden europaweit für psychische Gesundheitsleistungen aufgewendet. Diese Unterdeckung offenbart sich spätestens seit Ausbruch der globalen Pandemie, welche die Häufigkeit mentaler Beschwerden sprunghaft ansteigen liess. Viele Jugendliche warten seit Monaten auf einen Therapieplatz, während die Statistiken zu Depressionen und Angststörungen bei Erwachsenen um 25% gestiegen sind. Mittlerweile kann das Gesundheitswesen mit den Bedürfnissen Hilfesuchender nicht mehr schritthalten. In ärmeren Ländern ist die Situation ungleich schlimmer, denn mehr als 75% aller psychisch erkrankter Menschen bleiben sich selbst überlassen und erhalten keine passenden Therapien.

Psychisches Leiden hemmt eine nachhaltige Entwicklung

Mentales Leiden ist schwer zu fassen; wer depressiv ist, blutet nicht, Angst erkennt man nicht an einem Gips und Sucht geht nicht an Krücken. Gleichwohl sollten uns Ergebnisse gegenwärtiger Erhebungen unmittelbar zu einem Umdenken veranlassen. In der Schweiz ist fast die Hälfte aller Invalidenrentenbezieher:innen aufgrund psychischer Erkrankungen nicht mehr in der Lage, den Alltag zu bewältigen. Um einer Verschlimmerung präventiv entgegenzuwirken, um Behandlungslücken zu schliessen und einen gleichberechtigten Zugang zu psychischer Versorgung zu gewährleisten, sind gesteigerte Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur unverzichtbar. Eine Verbesserung des Zugangs zu Basiseinrichtungen würde die Lage verbessern. Das heisst, Lebens-, Bildungs- und Arbeitsbedingungen sollten nach Möglichkeit gesundheitsfördernd sein. Dieser Anspruch ist Ausdruck der gegenseitigen Abhängigkeit der 17 Ziele und betont die Wichtigkeit ganzheitlicher Strategien, um eine nachhaltige Entwicklung zu begünstigen.

Mut zur Lücke im Tassenschrank

Schliesslich müssen wir psychische Krankheiten ihren Tabus entledigen und uns implizite Vorurteile vergegenwärtigen. «Du hast doch nicht alle Tassen im Schrank» ist eine vieler Floskeln, mit denen oft unbedacht Klischees über mentale Gesundheit bedient werden. Folglich reduziert unsere Sprache psychisch Beeinträchtigte zu Menschen zweiter Klasse. Insofern wäre es wünschenswert, die Kenngrössen für das, was als normal oder produktiv gilt, zu überprüfen. Erfolg, Intelligenz, Verstand; diese Eigenschaften werden anhand von Leistungsbegriffen ausgewiesen, welche nicht selten nur dann zu erreichen sind, wo die eigenen Grenzen gesprengt und körperliche Warnsignale ignoriert werden. Das notorische Überziehen der eigenen Ressourcen brennt aus und macht krank. Und überhaupt, wer sagt, dass ein fehlendes Tässchen im Schrank nicht ebenso ein erfülltes Leben gestattet, wie das mit vollen Schränken – ich plädiere für mehr Mut zur Lücke!

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