Die Olympischen Spiele - Zwei Seiten einer Medaille

by Kirstin Brünjes, 26.02.2022
Die ganze Welt schaut zu, wenn die besten Sportler aus unterschiedlichen Nationen in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Die Olympischen Spiele sind #Mega-Events, bei denen Spitzensportler sich messen, die Inspiration verleihen und Orte, wo die Welt zusammenkommt. Doch drehen wir mal diese glänzende Seite der Medaille um - was kommt da zu Tage? Leider häufen sich die Hinweise zunehmender Umweltschäden im Zusammenhang mit dem Wintersport.

Dabei gibt es Wege, wie die Spiele nachhaltiger gestaltet werden könnten.

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Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beansprucht die Grossveranstaltung als Vorzeigebeispiel für Nachhaltigkeit. Doch die Marketing-Rhetorik stimmt leider nicht mit der Realität des Mega-Events überein. Die Eingriffe des Skisports in die Natur sind nicht mehr zu übersehen. Was zu der Frage führt: Wie nachhaltig sind die olympischen Winterspiele? Wissenschaft und Forschung führen erstmals eine systematische Bewertung zur Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele durch.

Die Ergebnisse dämpfen die Freude auf die Winterspiele in Beijing.

Die olympischen Winterspiele in Beijing in diesem Februar sind in Hinblick der ökologische Missstände, die „am wenigsten nachhaltigen Spiele aller Zeiten“, kritisiert Carmen de Jong (Geographin, Universität Strassburg). Hier sind die Gründe warum:

Enorme Mengen an Wasser- und Energieverbrauch für Schneepisten aus künstlich erzeugtem Schnee

Es schneit wenig in den Bergen, die Beijing umgeben. Die Landschaft ist so trocken, dass in dieser Wintersaison nicht einmal der Boden gefriert. Deswegen zaubern seit Mitte November 2021 Schneemaschinen ununterbrochen 10 Liter künstlichen Schnee pro Sekunde auf die Abfahrtspisten. Die Schneepisten benötigen mehr als 2 Millionen Kubikmeter (m³) Wasser. Das von weit entfernten Seen zum Gelände der olympischen Spiele beförderte Wasser, hat Auswirkungen auf die Wasserstände und das umliegende Ökosystem. Zudem haben die Schneemaschinen in ihrem 24/7 Einsatz einen hohen Energieverbrauch, der Unmengen an CO2 in die Atmosphäre emittiert.

Mangel an Respekt vor der Natur im Reservat

Der Veranstaltungsort liegt inmitten eines Naturreservats. Nachdem das IOC Beijing als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022 ausgewählt hat, wurden die Grenzen des Reservats so verändert, sodass die Berge – die sich im Zentrum befinden – nicht mehr zum Reservat gehören. Die Abfahrtspiste liegt nun direkt im Zentrum und das Olympische Dorf am oberen Rande des Reservats.

Ein Umsiedlungsprojekt soll die Vegetationsdecke aus Pflanzen und Bäumen an einem anderen Ort im Reservat erhalten, erhöht aber auch gleichzeitig das Risiko von Bodenerosion und möglichen Erdrutschen in der Region.

Nachhaltigere Olympische Spiele sind möglich

Sven Daniel Wolfe (Stadt- und Politikgeograph, Universität Lausanne) untersuchte mit seinem Forschungsteam 16 olympische Sommer- und Winterspiele zwischen 1992 – 2020. Die Ergebnisse: Die Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele ist insgesamt mittelmässig und hat im Laufe der Zeit abgenommen.

Die Analyse zeigt jedoch auch Chancen auf, dass eine nachhaltigere Organisation der Spiele möglich ist:

  1. Durch eine deutliche Verkleinerung der Veranstaltung
  2. Durch eine Rotation der Olympischen Spiele zwischen denselben Veranstaltungsorten
  3. Durch die Durchsetzung unabhängiger Nachhaltigkeitsstandards

Olympia hat eine enorme Strahlkraft: Es schenkt den Menschen lebenslange unvergessliche Erinnerungen und hat einen positiven Einfluss auf ein ganzes Land. Diese gilt es auch für die Zukunft zu bewahren. Erfreulicherweise bewegt sich etwas am Olympischen Himmel: Das IOCs will die Spiele bis 2024 klimaneutral und ab 2030 klimapositiv gestalten.

Prominente Athleten:innen melden sich zu Wort für mehr Nachhaltigkeit

Die Vergaberichtlinien der Olympischen Spiele sind nicht mehr zeitgemäss. Sie sollten sich „an der Einhaltung von Menschenrechten, Mitsprache, Finanzierbarkeit und vor allen Dingen an der Nachhaltigkeit orientieren“, so Felix Neureuther (früherer Olympia Skirennläufer). Umweltprobleme waren der Grund warum Eliza McCartneysn ein Studium der Umweltwissenschaften aufnahm, denn “… es fühlte sich plötzlich moralisch falsch an, nicht zu handeln”, so die Stabhochspringerin aus Neuseeland. Carolina Visca (Italien, U20-Europameisterin im Speerwurf) engagiert sich für die ökologische Nachhaltigkeit und nutzte die Coronavirus-Sperre, um Fans und andere Athleten – mit ihrem Videoprojekt „Green Mind“ auf ihrer Instagram- und Facebook-Seite – in Diskussionen über Umweltthemen einzubeziehen.

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